Vorwort

Wie läuft eine Spieleentwicklung überhaupt ab?

Ich habe eine Idee für ein Spiel! Wie mache ich weiter?

Wie werde ich Spieleprogrammierer?

Wie werde ich Spieledesigner?

Wie gründe ich meine eigene Firma?

Einsteiger FAQ

Von Marc Kamradt

Vorwort

Computerspiele zu entwickeln ist für viele ein Traumberuf. Das Hobby zum wird zum Beruf, man wird vom Konsument zum Macher.

So ungefähr stellen sich viele Einsteiger die Arbeit in der Branche vor. Und obwohl die genannten Punkte sicherlich zutreffen muss man sich doch darüber im Klaren sein, dass die Entwicklung von Computerspielen (genau wie jede andere Software) ein unglaublich komplexer Vorgang ist, den man in mühevoller Kleinarbeit lernen und begreifen muss.

Der Einstieg in die Spieleentwicklung ist also nicht „mal eben schnell“ möglich und schon gar nicht wird man sich in der ersten Zeit mit Firmen und deren Produkten messen können, die schon über viele Jahre eine Vielzahl von Spielen entwickelt haben.

Es ist also immens wichtig sich am Anfang nicht in unrealistische Vorstellungen zu verlieben oder an den Aufgaben zu übernehmen. Leider zählt auch in dieser Branche der Satz: Jeder hat mal klein angefangen.

Bei Fragen oder Anregungen: marc@spieleentwickler.org

Wie läuft eine Spieleentwicklung überhaupt ab?

Eine Spieleentwicklung läuft in mehreren Schritten oder Phasen ab. Meist werden alle Phasen einer Entwicklung mehrmals durchlaufen um den aktuellen Gegebenheiten angepasst zu werden. Es wird also immer nur ein Teil des Spiels entwickelt, um dann inne zu halten und auf ungeplante Ereignisse zu reagieren. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass man am Anfang eines Projekts alle Unwegsamkeiten einplanen kann. Trotzdem kann man sich die Planung nicht schenken, denn der bestmögliche Plan zu einer gegebenen Zeit ist immer noch um ein Vielfaches besser gar kein Plan.

Das Design-Dokument

Grundlage für alle späteren Arbeiten an einem Spiel ist das Design-Dokument. Es enthält die Informationen, damit Programmierer, Grafiker, Leveldesigner und alle anderen Beteiligten wissen wie das Spiel aussehen und ablaufen soll. Gibt es von einem Beteiligten am Projekt eine Frage zum Spiel, so sollte er die Antwort im Design-Dokument finden.

Das Design-Dokument wird meist von einer Untermenge des Teams erstellt, die dann die Rolle des Spieledesigner haben.

Die Planung

Auf der Grundlage eines guten Design-Dokuments wird ein Projektplan erarbeitet, der dazu dient abzuschätzen, wie lange das Projekt dauert, wie viele Personen für das Projekt notwendig sind und in welcher Reihenfolge die einzelnen Zwischenergebnisse geliefert werden müssen, damit alle Beteiligten möglichst optimal arbeiten können.

Die Entwicklung des Spiels und der Tools

Ist die Planung abgeschlossen beginnt die eigentliche Entwicklung. Das Programm, die notwendigen Tools (Leveleditor etc.), die Grafiken, Levels, Musik und alle anderen Daten werden von den verschiedenen Beteiligten anhand er Planung und der Design-Dokuments erzeugt und zusammengefügt.

Testing und Release

Während der Entwicklung, spätenstens jedoch am Ende wird das Spiel auf Herz und Nieren getestet und die Fehler und Unschönheiten werden korrigiert.

Anschließend kann das Spiel „released“ werden. Ein Release muss dabei nicht das Ergebnis sein, dass später veröffentlicht wird, sondern kann auch eine Zwischenversion sein, die dann die Grundlage für eine Anpassung des Design-Dokuments, der Planung und einer anschließenden weiteren Entwicklungsphase darstellt.

Zwischenversionen können untern anderem für Präsentationen beim Publisher, als Demoversion für Zeitschriften oder als öffentliche Betatests genutzt werden.

„Going Gold“

Irgendwann kommt für das Team der letzte Release des Spiels, welcher dann für die Vervielfältigung im Presswerk zum Publisher geschickt wird.

Ich habe eine Idee für ein Spiel! Wie mache ich weiter?

Ähnlich wie bei der Frage „Wie werde ich Spieledesigner?“ muss man sich ein paar grundlegende Fakten aus der Spieleentwicklung vor Augen halten.

Die Idee einem Entwicklerteam anbieten

Wenn man sich einmal ein professionelles Team von Spieleentwicklern vorstellt und dann überlegt, dass dort im Regelfall 10 bis 20 Personen etwa 18 bis 24 Monate an der Entwicklung eines Spiels arbeiten, kann man sich leicht ausrechnen, dass der Bedarf an neuen Spielideen relativ gering ist. Außerdem sind die zwei Jahre in denen man an einem Spiel arbeitet eine ausreichend lange Zeit für alle Beteiligten sich Gedanken zum nächsten Spiel zu machen.

Es macht also wenig Sinn mit einer Spielidee an ein bestehendes Entwicklerteam heranzutreten und zu hoffen, dass dieses einen mit offenen Armen empfängt und die Idee zur Realität werden lässt. Ein Entwicklerteam versorgt sich aus sich selbst heraus mit neuen Ideen und Konzepten.

Die Idee einem Publisher anbieten

Wenn die Entwicklerteams also nicht die richtigen Ansprechpartner sind, dann sind es folglich die Publisher. Doch auch hier muss man wieder einige Gegebenheiten im Kopf haben. Die wichtigste wäre, dass die Entwicklung eines Vollpreis-Videospiels ab 1 Mio. Euro aufwärts kostet. Da ein Publisher einem Entwicklerteam dieses Geld im Voraus für die Entwicklung eines Spiel zur Verfügung stellen muss kann man sich vorstellen, dass man absolut herausragende Argumente braucht um den Publisher vom eigenen Spiel zu überzeugen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist sicher auch die Tatsache, dass größere Publisher allein von deutschen Teams ca. 150 Projekte im Jahr angeboten bekommen. Am Ende sind es keine 10 bei denen ein Publisher in Erwägung zieht die Entwicklung zu finanzieren.

Obwohl hier keine ausführliche Behandlung der notwendigen Materialien gegeben werden kann, die notwendig sind um einem Publisher das eigene Spiel schmackhaft zu machen, kann man anhand der folgenden Punkte zumindest einen Eindruck davon bekommen. Es ist selbstverständlich, dass all diese Materialien absolut professionell sein müssen – immerhin konkurriert man mit Teams, deren Produkte man bei Media Markt und Saturn in den Regalen stehen sieht.

Ein Designdokument

Noch am nächsten dran an der „Idee für ein Spiel“ ist eine besondere Form des Designdokuments. Dieses enthält kurz und prägnant alles für den Publisher Wissenswertes über das Spiel, z.B. Grundlegende Spielmechanik, Zielgruppe, Alleinstellungsmerkmale gegenüber bereits existierenden Produkten, Marktanalysen, Zielplattform(en), Entwicklungszeitraum, Grafikstil etc.

Einen Prototypen

Da mit einer Menge Papier heutzutage kein Publisher mehr zu überzeugen ist, muss man eine Demo bzw. einen Prototypen des Spiels herstellen. Dieser Prototyp sollte demonstrieren, dass das Spielprinzip funktioniert und Spaß macht sowie einen ersten Eindruck der Grafik vermitteln.

Ein vertrauenswürdiges Team

Der schönste Prototyp und das beste Designdokument nützen wenig, wenn der Publisher nicht darauf vertrauen kann, dass das Team in der Lage ist das Spiel auch wirklich unter den gegeben Umständen fertig zu stellen. Dazu ist es nicht nur notwendig im Umgang mit dem Publisher professionell aufzutreten, sondern auch Erfahrungen im Bereich der Spieleentwicklung vorweisen zu können. Das ist für neue Teams sehr schwer, wenn sie nicht aus Personen bestehen, die schon länger in der Branche tätig sind. Dort helfen nur abgeschlossene Projekte im Bereich der Hobbyentwicklung, die das Potenzial des Teams zeigen.

Ein Hobbyprojekt starten

Da es für Einsteiger in die Spieleentwicklung normalerweise keine Möglichkeit gibt die Anforderungen eines Publishers zu erfüllen und die Finanzierung für eine Vollpreis-Entwicklung zu bekommen, bleibt nur die Möglichkeit die Idee im Rahmen eines Hobbyprojekts zu verwirklichen. Doch auch hier ist es nicht so, dass bestehende Teams nur darauf warten, dass jemand eine neue Spielidee an sie heranträgt. Vielmehr gilt, dass man erst einmal seine Fähigkeiten als Programmierer, Grafiker oder Leveldesigner beweisen und Erfahrungen mit der Materie der Spieleentwicklung sammeln muss, bevor man realistischerweise Spieledesigner werden kann. Zu diesem Thema gibt es ja auch noch einige Informationen in dem Einsteiger-FAQ.

Gleichgesinnte Hobbyentwickler findet man bei den Deutschen Untergrund Spielen und deren Partnerseiten.

Wie werde ich Spieleprogrammierer?

Was sind die Aufgaben eines Spieleprogrammierers?

Vorrangig natürlich das Programmieren des Spiels oder der dazugehörigen Tools, aber ebenso eine Menge Aufgaben im Umfeld. Beispielsweise das Design-Dokument auf technische Machbarkeit zu überprüfen oder die Architektur des Programms entwerfen.

Insgesamt laufen beim Programmierer alle Stränge zusammen und es liegt in seiner Verantwortung aus all den Grafiken, Leveldaten, Soundeffekten ein Spiel zu erstellen, das hinterher richtig Spaß macht.

Was für Voraussetzungen muss ich mitbringen?

C/C++

Grundvoraussetzung für die Spieleprogrammierung sind solide Kenntnisse der Programmiersprache C/C++. Diese Programmiersprache ist zur Zeit die einzige Programmiersprache, die für alle Plattformen erhältlich ist und wird daher fast ausschließlich verwendet.

Andere Hochsprachen

Kenntnisse in anderen Hochsprachen sind ebenfalls nützlich, werden jedoch höchstens bei der Entwicklung von Tools benötigt. Dort können jedoch Visual Basic bzw. Delphi gerade für kleinere Tools sehr praktisch sein.

Assembler

Der Umgang mit verschiedenen Assembler-Dialekten ist ein Pluspunkt, denn trotz steigender Prozessorleistung und besser optimierender Compiler kann man bestimmte Programmteile durch den Einsatz von Assembler noch stark beschleunigen. Einige Spezialprozessoren, wie z.B. die Vector Units der Playstation 2 lassen sich ohnehin nur mit Assembler programmieren.

Algorithmen

Die grundlegenden Algorithmen und Datenstrukturen, die üblicherweise in der Softwareentwicklung vorkommen sollten ebenfalls geläufig sein. Viele davon werden in guten Lehrbüchern zu C/C++ oder etwa R. Sedgewick, Algorithmen in C++ vorgestellt.

Welche Kenntnisse sollte ich erwerben?

Eine Aufzählung oder Erläuterung der Themengebiete mit denen man sich beschäftigen sollte würde hier den Rahmen sprengen, es ist jedoch empfehlenswert sich über das Programmieren kleiner, überschaubarer Spiele die notwendigen Grundlagen der Spieleprogrammierung anzueignen.

Dies kann mittels Tutorials im Internet oder Büchern geschehen oder aber auch anhand der eigenen Analyse von einfachen und bewährten Klassikern, wie Asteroids, Break-Out, Bomberman oder Ähnlichem.

Auf keinen Fall sollte man sich eines der aktuellen Topspiele zum Vorbild nehmen und dies zu erreichen versuchen. Ein solches Topspiel zu entwickeln setzt meist jahrelange Erfahrung voraus und man ist schnell enttäuscht, wenn man das gesetzte Ziel nicht einmal annähernd erreicht.

Welche Fortbildungsmöglichkeiten / Studiengänge gibt es?

Spezielle anerkannte Ausbildungsmöglichkeiten oder Studiengänge gibt es für Spieleprogrammierer nicht. Die meisten sind daher Autodidakten oder Quereinsteiger.

Grundlagen der Software-Entwicklung kann man sich natürlich mittels eines Informatik-Studiums aneignen. Etwas näher an der Thematik der Spieleentwicklung ist der Studiengang Medieninformatik, den es seit einiger Zeit gibt.

Einige Firmen bilden auch Fachinformatiker im Rahmen einer Spieleentwicklung aus.

Zu guter Letzt bleibt auch ein längerfristiges Praktikum, wobei die meisten Firmen ein solides Grundwissen voraussetzen, damit man auch sinnvoll an den Projekten mitwirken kann.

Wie komme ich zu einer Firma?

Adressen

Adressen von Spieleentwicklern finden sich im Portfolio des USF und in den Ressourcen von spieleentwickler.org. Auch auf der Gamestar-Webseite findet sich eine Liste von Spieleentwicklern.

Bewerbungsunterlagen

Neben den üblichen Bewerbungsunterlagen wie Lebenslauf etc. ist die beste Art der Demonstration der eigenen Fähigkeiten natürlich ein kleines Spiel oder ein Tool für ein Spiel. Es kommt dabei nicht unbedingt auf den Umfang, sondern vielmehr auf die Vollständigkeit an. Ein kleines, aber abgeschlossenes Projekt zeigt nämlich, dass man in der Lage ist alle anfallenden Probleme zu lösen und ausreichend Durchhaltevermögen mitbringt.

Auch eine Demo z.B. mit Terrain-Rendering oder anderen wichtigen Techniken, die in Spielen Verwendung finden sind stellt die Auseinandersetzung mit den richtigen Themen unter Beweis.

Wie werde ich Spieledesigner?

Was sind die Aufgaben eines Spieledesigners?

Ein Spieledesigner denkt sich Spielinhalte aus und bringt diese detailliert zu Papier in Form eines Design-Dokuments. Dabei muss er darauf achten, dass die Spielinhalte am Ende für die Spieler fesselnd sind, als auch dass die Spielinhalte so detailliert beschrieben und durchdacht sind, dass das gesamte Team aufgrund seines Design-Dokuments das Spiel entwickeln kann.

Der Spieledesigner ist also besonders zu Beginn des Projekts maßgeblich an dessen Erfolg beteiligt, denn nicht zuletzt sind ganze Entwicklerteams aufgrund von schlechten, ungenauen oder unrealistischen Design-Dokumenten gescheitert.

Mythos Spieledesigner?

Als erstes muss man sich klar machen, das Spieledesigner eher eine Rolle ist, die von Personen aus anderen Bereichen der Spieleentwicklung übernommen wird. Es ist extrem selten, dass man ausschließlich als Spieledesigner bei einer Firma tätig ist. Dieses Privileg genießen nur einige sehr Wenige und auch diese haben sich zu Anfang parallel mit anderen Aufgaben beschäftigt. Viele derjenigen, die programmieren, modellieren oder Levels entwerfen möchten diese Tätigkeit auch nicht aufgeben und daher finden sich in Firmen oft sogenannte Design-Teams aus Personen verschiedener Bereiche zusammen.

Also könnte man sagen, die Voraussetzung ist langjährige Erfahrung und Mitwirkung an Spielen, aber in anderen Bereichen als dem Spieledesign.

Die IT-Akademie bietet Kurse im Bereich Spieledesign an, mir ist jedoch niemand bekannt, der aufgrund einer solchen Ausbildung als Einsteiger in ein Team geholt wird. Das gute Design eines Spiels ist doch erheblich von Erfahrungswerten abhängig und die eignet man sich nur im Laufe einer mehrjährigen Laufbahn in anderen Bereichen der Spieleentwicklung an.

Den Einstieg in die Spieleentwickler-Branche über den Beruf eines Spieledesigners ist also eher ein Mythos als eine realistische Möglichkeit.

Wie gründe ich meine eigene Firma?

Eine eigene Firma in Leben zu rufen ist keine leichte Aufgabe. Die Freiheit der eigene Chef zu sein wird von dem Mehraufwand, den eine solche Firmengründung mit sich bringt meist mehr als wett gemacht.

Die eigene kleine Spieleschmiede ist sicher der Traum der Selbstverwirklichung, verlangt aber neben dem ohnehin schon hohen Aufwand der Software-Entwicklung noch viel Aufmerksamkeit für betriebswirtschaftliche Aufgaben. Mindestens die folgenden Punkte sollte man daher beherzigen.

Die Auftragslage muss stimmen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Auftragslage. Mindestens einen festen Auftraggeber oder Abnehmer für das eigene Spiel sollte man haben. Dies erreicht man jedoch meistens nur durch die Präsentation eines Prototypen bei einem Publisher. Mit einem Konzept allein kommt man nur in den seltensten Fällen zum Ziel. Die Arbeit an dem Prototypen muss man aus eigener Tasche finanzieren und nicht selten findet man am Ende überhaupt keinen Abnehmer.

Das Team muss stimmen

Hand in Hand mit dem ersten festen Auftrag geht das vorhanden sein eines gut funktionierenden Teams, welches sich nicht erst zur eigentlichen Firmengründung zusammenfinden sollte. Der größte Teil der Beteiligten sollte sich bereits über das eine oder andere gemeinsame Projekt kennen. Von den an einem Projekt arbeitenden Personen hängt der Erfolg der Firma ab und gerade bei einer Neugründung hat man oft keine Reserven für Fehlschläge.

Über die Komplikationen informiert sein

Sowohl beim Arbeitsamt, als auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) sollte man sich über die Gründung und Leitung einer Firma informieren. Dort werden Existenzgründerseminare angeboten und es kann sogenanntes Überbrückungsgeld als Starthilfe beantragt werden.